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Als im Jahre 1907 die damalige staatliche Ingenieurschule in
Nürnberg aufgelöst und an ihrer Stelle das "Königliche
Bayrische Technikum" gegründet wurde, faßte ein kleiner
Kreis von Studierenden den Entschluß, eine studentische
Verbindung an dieser Anstalt ins Leben zu rufen. Am 1.November des
gleichen Jahres gründeten sie den Bund und gaben ihm denn Namen
"Technischer Club Bavaria".
Seine
Gründer waren:
Bulheller
Ludwig K.B. Technikum Nürnberg, Maschinenbau
Meidlein
Otto K.B. Technikum Nürnberg, Maschinenbau
Hüttinger Emanuel, K.B. Technikum
Nürnberg, Elektrotechnik
Morhard Johannes Friedrich K.B. Technikum
Nürnberg, Elektrotechnik
Ebert Anton Städtische. Bauschule
Nürnberg, Maschinenbau
Nagler Willi Städtische Bauschule Nürnberg,
Maschinenbau
Schad Jean Brauerei-Hochschule Weihenstephan
Als erstrebenswerte Ziel galten ihnen Pflege der
Vaterlandsliebe, Erziehung der Mitglieder zu ehrenhaften Bürgern,
sowie Festigung der im Bund gewonnen Freundschaft über die
Studienzeit hinaus für das ganze Leben.
Die
Leitung des Bundes lag in den Händen von drei Chargen:
1.
Senior: offizieller Vertreter des Bundes und Kassenwart
2. Consenior: Schriftführer und Stellvertreter des Seniors
3. Fuxmajor: Erzieher der Fuchsen
Zu
Beginn des Studienjahres 1908/09 konnten die ersten 10 Fuxen gekeilt
werden und ein Jahr später folgten weitere 20. Schon bald nach der
Gründung wurde der Sitz der Verbindung nach Nürnberg verlegt.
Als ideales Kneiplokal fand man hier den Gasthof "Goldener Schwan" am
Theresienplatz. Es zeigte sich bald, daß der Senior durch die
vielen offiziellen Verpflichtungen über Gebühr beansprucht
wurde. Mann wählte ab WS1910/11 einen weiteren Consenior als
Drittchargierten. Am 14.Oktober 1910 folgte die Gründung des
"Philisterverbandes". Im SS 1912 entschloß man sich zu einer
Änderung des Mützenformats (nun Biedermeiermütze in
schwarzem Tuch). Die Chargen trugen Cervis, der Fuxmajor Samtbarett,
sowie statt eines Flauses eine Kneipjacke.
Der Bund entwickelte sich in den folgenden Jahren sehr gut.
Die Mitgliederzahl stieg 1914 über 100. Der Ausbruch des
1.Weltkrieges am 2.August 1914 brachte die erste große
Belastungsprobe für den Bund. Nur wenige Bundesbrüder blieben
in der Heimat zurück. Sie bildeten als Stammtisch im Hotel
Stauffer das Bindeglied zwischen Heimat und Front.
Die aus dem Kriege heimgekehrten Altburschen begannen sofort
dem Bund zu reorganisieren. Und bald konnten 13 Fuxen gekeilt werden.
Da die alte Konstante, die inzwischen das Hotel Stauffer geworden war,
nicht mehr ausreichte, fand man zunächst im Restaurant
"Kettensteg" (Maxplatz 35/I) und später im Café Central in
der Karolinenstraße eine entsprechende Bleibe. Nachdem aber
1919/20 weitere 23 Fuxen in die Verbindung eintraten, erreichte die
Aktivitas einschließlich der Altburschen wieder die Zahl 50, so
daß man am 2.4.1920 ins "Krokodil" umzog.
Vorher aber, als im März 1920 beim sogenannten
"Kapp-Putsch" radikale Elemente kommunistischer Prägung zum
Generalstreik aufriefen und die Versorgung der Bevölkerung mit
Strom, Wasser und Gas gefährdeten, stellte sich die gesamte
Aktivitas der technischen Nothilfe zur Verfügung. Sie kam als "Zug
Bavaria" in der technischen Kompanie zum Einsatz im Großkraftwerk
Franken.
Aber nicht nur politische Dinge beschäftigten unseren
Bund, sondern es traten auch wichtige Aufgaben an uns heran, welche die
Verbindungen und ihre weitere Entwicklung selbst betrafen. Folgende
Ziele sollten so rasch als möglich angestrebt werden:
1. Hebung der "Anstalt" durch Erweiterung der Lehrgebiete,
Anfügung eines 5.Studiensemesters und Änderung der bisherigen
Bezeichnung "Technikum".
2. Verleihung der Berufsbezeichnung "Ingenieur", sowie
behördlicher Schutz des Titels.
3. Schaffung einer Möglichkeit des Übertritts an die
Technische Hochschule, wie es früher bei der Industrieschule
bereits der Fall gewesen war.
4. Genehmigung der studentischen Verbindungen an der "Anstalt", sowie
des öffentlichen Farbentragens wie an den Hochschulen.
5. Einführung des studentischen Fechtens wie bei den Korporationen
der Universitäten und der Technischen Hochschulen. Nach einer
gewissen Anlaufzeit sollten dann auch Bestimmungsmensuren
übernommen werden.
Die Erreichung dieser weit gesteckten Ziele bedurfte
natürlich auch eines starken Farbenstudententums. Deshalb
schlossen sich die an der "Anstalt" bestehenden Verbindungen Bavaria,
Bayern und Danubia zunächst zu einem losen Zweckverband zusammen.
Ihrer Initiative war es mit zu verdanken, daß das Niveau der
"Anstalt" durch Änderung der Bezeichnung "Technikum" in
"Höhere Technische Staatslehranstalt (HTS) gehoben wurde, was am
22.7.1919 geschah. Die dadurch notwendige werdende Erweiterung des
Studienplanes bedingte auch die Angliederung eines 5.Semesters.
Im SS1919 waren die Bavaria, Bayern, Danuben und der
Technische Club vom Kultusministerium genehmigt worden, allerdings ohne
Farben tragen zu dürfen (öffentlich).
Am 15.2.1920 schlossen sich die drei Verbindungen des
Zweckverbandes zum "Nürnberger Senioren-Convent" zusammen. Dieser
begann im SS1920 das studentische Fechten mit wöchentlich 2
Paukstunden. Vom Tag der ersten Mensuren an wurden von den Aktiven der
NSC-Verbindungen die Vorlesungen in Vollcoleur besucht.
Durch Beschluß des Bundesconventes vom 7.11.1920 wurde
eine neue, nach den Satzungen der Burschenschaften ausgerichtete
Satzung eingeführt. Allerdings vermied man es, sich offiziell als
Burschenschaft zu bezeichnen, um Komplikationen zu vermeiden.
Im Jahre 1922 wurden dann endlich am 13.Januar die
Studentenverbindungen "Bavaria, Bayern, Danubia und Technischer Club
sowie die dem NSC beigetretene Franco-Allemania zu Würzburg als
farbentragende Korporationen und als Verbindungen im Sinne von
Hochschulkorporationen anerkannt. Mit Beginn des SS 1922, ab 15.2.1922,
wurde auch in der Öffentlichkeit Coleur getragen.
Der NSC löste sich auf und dafür wurde der
"Nürnberger Convent Technischer Corporationen" gegründet.
Das Jahr 1923 brachte für die Bavaria einen weiteren
Höhepunkt in ihrem Verbindungsleben: eine Fahne. Sie wurde am 15.6
geweiht und dann von den Chargen in einer Rundfahrt der
Öffentlichkeit vorgestellt. In diesem Jahr wurde die Satzung
abermals überarbeitet und das Mützenformat wieder auf die
ursprüngliche Form geändert.
In einer AH-Versammlung am 17.4.29 wurde der Entschluß
gefaßt, anstelle von "fliegenden Blättern" eine gedruckte
Bundeszeitung herauszugeben. Im Mai darauf erschien das erste
"Bundesblatt".
Der Bund entwickelte sich in den folgenden Jahren bestens und
so mußte man wieder einmal das Kneiplokal wechseln. Mit 124 AHAH,
46 i.a.B., und 28 a.B. zog man in die Gaststätte "Zum Kranich".
Als im Jahre danach 1933 die Nationalsozialisten an die Macht
kamen, erkannte man sehr bald, daß auch für die
studentischen Korporationen aller Schattierungen große
Veränderungen eintreten würden. Im Jahre 1935 war es dann so
weit. Am 27.Oktober fand eine Bundesversammlung statt, deren einziger
Punkt war: Auflösung des Bundes. Nach ausgiebiger Debatte, An
welcher sich auch die gesamte Aktivitas beteiligen durfte, wurde dies
beschlossen. Zu einer letzten AH-Versammlung traf man sich am
11.6.1936, wo von einer Abwicklungskommision der Vorschlag
unterbreitet, alle i.a.Bs und Aktiven auf Antrag in den AH-Verband zu
übernehmen. Von diesem Tag an führte der AH-Verband den Namen
"AH-Verband der früheren Studentenverbindung Bavaria". Damit war
das zweite Kapitel im Leben des Bundes abgeschlossen. Ein Teil der in
Nürnberg wohnenden Bundesbrüder traf sich von da ab jeden
Donnerstag in der "Efeuranke".
Nach dem 2.Weltkrieg sammelten sich die Bundesbrüder
langsam wieder in der Gaststätte "Gostenhofer
Bräustüberl". Die Beteiligung wuchs so stark, daß man
daran dachte, das Schifflein der Bavaria wieder flott zu machen. Mitte
November 1950 wurde dann das 43.Stiftungsfest festlich gefeiert. Auf
dem Bundesconvent dieses Stiftungsfestes wurde beschlossen, den
Alt-Herrenverband und die Aktivitas neu zu gründen. Um letzteres
zu ermöglichen, ließen sich 13 Alte Herren reaktivieren, von
denen vier als Chargen, sechs als Burschen und drei als Fuxen agierten.
Der AH-Verband bekam wieder eine funktionsgerechte
Vorstandschaft, bestehend aus dem Vorstand, dem Schriftwart und dem
Kassenwart. Die Verbindung sollte nun den Namen Burschenschaft Bavaria
tragen.
Am 1.11.1951 konnten die ersten neun Fuxen per Handschlag
gekeilt werden, denen tags darauf noch drei weitere folgten.
Am 12.12.1951 traten erstmals wieder Vertreter der
früher im NCTC zusammengeschlossenen Verbindungen zusammen. In
einer Sitzung am 2.1.1952 wurde das Kartell neu konstituiert.
Bis zum Ende SS1952 war die Zahl der Neueingetretenen auf 21
angewachsen, so daß die Konstante zu klein geworden war. Nun
begann eine längere Wanderschaft, die über Weinstadel, das
Krokodil und dem Tucherbräustüberl (Turm) zum "Hummelsteiner
Park" führte. Hier zog man dann im Mai 1956 ein.
Im SS 1955 wurde dann auch das Mensurwesen wieder
eingeführt. Am Semesterende wurden am Mensurtag bereits fünf
Partien gestellt. Die Burschenschaft Bavaria war aber jetzt nicht mehr
pflichtschlagend, sondern freischlagend.
Da die im Jahre 1923 beschaffte Bundesfahne durch
Kriegseinwirkungen verloren war, wurde im WS55/56 eine neue angefertigt
und am 6.11.1955 feierlich in der Marthakirche geweiht. Gegen Ende 1956
beantragte der AH-Verband die Eintragung in das Vereinsregister und
zählt nun als gemeinnütziger Verein.
Im WS67/68 trat die Burschenschaft Bavaria wegen vieler
grundlegender Unstimmigkeiten aus dem NCTC aus. An einen neuen Verband
wollte man sich damals auch noch nicht hinhängen.
In diesem Semester wurde auch eine neue AH-Satzung entworfen
und verabschiedet. Sie trat im Herbst 1967 in Kraft. Auch die Aktivitas
gab sich eine neue Satzung, die am 4.10.1967 in Kraft trat.
Im Jahre 1972 trat die Bavaria dem neuen
"Interkorporativen-Alt-Herren-Convent" (IAHC) bei. Dieser wurde im
Rahmen eines Ausfluges nach Bamberg an Bord eines Kanalschiffes
offiziell gegründet. 1976 wurde der
"Interkorporative-Aktiven-Convent" (IAC) ins Leben gerufen, dem man
sich ebenfalls anschloß. Mit dem Ortsring IAHC konnte über
viele Jahre hinweg eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Nürnberger
Verbindungen realisiert werden. Der IAHC wurde bis Ende der 80er-Jahre
ein Begriff des Farbenstudententums im Raum Nürnberg und
darüber hinaus. Doch mit Beginn der 90er schrumpfte das Engagement
der einzelnen Verbindungen im IAHC und die Beteiligung an den
gemeinsamen Veranstaltungen wurde zunehmend geringer. Auch der schon
vor einiger Zeit entstandene Fuxenmangel zwang einige
revolutionäre Zellen umzudenken. Mit der ersten Sitzung des Bundes
Nürnberger Studenten (BNSt) am 4.12.1995 wollte man etwas neues
schaffen. Die Bavaria war von Beginn an mit etlichen Vertretern
maßgeblich an der Entwicklung des Projektes BNSt beteiligt,
dessen vorrangiges Ziel die Erhaltung des Farbenstudententumes im
Nürnberger Raum und somit des eigenen Bundes ist. Der BNSt will
durch seine Kompetenz und Veränderungswillen, die Vermittlung von
Kritikfähigkeit und dem Führen im Team sein Ziel Nummer Eins
erreichen.
Das Ungewöhnlichste am BNSt ist jedoch der sogenannte
"Fuxenpool", d.h. die beigetretenen Verbindungen verzichten auf eigene
Fuxen. Mit der Burschung der Fuxen erfolgt erst deren Eintritt in einen
der Mitgliedsbünde.
Für die offizielle Gründung des BNSt mußte
die Beitrittserklärung von drei Verbindungen vorliegen. Der
Bundes-Convent der Burschenschaft Bavaria gab als erster der
beteiligten Bünde seine einstimmige Zustimmung zum Beitritt ab. Am
30.Juni 1997 war es soweit. Mit dem Beitritt der Burschenschaft
Bavaria, der Landsmannschaft Bavaria, der KdStV Rheno-Frankonia und der
TV Amicitia wurde der BNSt offiziell.
Zuvor wurde im Februar des SS96 die Auflösung des IAHC
beschlossen. Die noch gebliebenen gemeinsamen Veranstaltungen werden
nun vom BNSt weiterhin ausgerichtet. Im Augenblick sind im BNSt sechs
Bünde beteiligt und mit weiteren ist eine intensive Zusammenarbeit
geplant.
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